Georg Elser - ein Schwabe, der die Welt retten wollte
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Am 8. November 1939 sollte Hitler in München beseitigt werden. Ein Schreinergeselle baute den Sprengsatz. Der Bürgerbräukeller flog in die Luft - ohne Hitler.


Der Marsch faschistischer Horden zur Feldherrenhalle in München mit dem Ziel, diesen zu einem Marsch nach Berlin werden zu lassen,  wurde 1923 verhindert. Hitler war vorerst gescheitert. Der Putsch blieb im Versuch stecken. Viele Jahre später, 1939, lange nach der Machtübergabe an den "Führer", wurde diese Niederlage als Erfolg gefeiert. Jährlich huldigten die später als Massenmörder durch die halbe Welt Ziehenden im Münchner Bürgerbräukeller ihrem "Messias". Der Diktator, zusammen mit seinem Gefolge wie Goebbels, Heß und Heydrich, nutzte dabei jede Gelegenheit, seine "Blutordensträger" mit markigen Sprüchen reif dafür zu reden, anderen Völkern das "Deutsche Wesen" zur Genesung beibringen zu wollen. So waren auch an jenem 8. November 1939 Hitler und seine volkstreuen Genossen zur Selbstinszenierung nach München gereist. Außer Heinrich Himmler, der Reichsführer SS, und Hermann Göring, seit 1938 Generalfeldmarschall, kamen fast alle Führungskräfte dieser selbst ernannten Herrscher über Leben und Tod in die "Stadt der Bewegung".
Bundesarchiv_Bild_183-E12329,_München,_Bürgerbräukeller,_Sprengstoffanschlag
Hinter Hitler tickte die Uhr

Der Abend gestaltete sich wie immer. Wie Helmut G. Haasis in seinem Buch "Den Hitler jag' ich in die Luft" beschreibt, eröffnet ein Mitmarschierer von 1923, Christian Weber, die Veranstaltung. Nach etlichen "Sieg Heil"-Rufen geht Hitler ans Rednerpult. Hinter diesem Pult, in einer Säule versteckt, tickt eine Uhr - Georg Elsers Zündmechanismus. Wie sich später herausstellte, habe diese Uhr präzise funktioniert und Elser ganze Arbeit geleistet, so der Autor G. Haasis. Der schwäbische Schreinergeselle hatte schon ein Jahr zuvor den Zeitplan der Veranstaltung studiert. Für ihn stand fest, der günstigste Zeitpunkt für die Zündung: 21.20 Uhr.
Adolf Hitler und sein Gefolge konnten nach München wegen Nebels nicht mit dem Flugzeug reisen. Der Sonderzug musste jedoch bereits 21.31 Uhr in München abfahren. So kam es, dass die obersten Faschisten den Bürgerbräukeller zeitiger als sonst verlassen mussten. Die Bombe explodierte pünktlich. Der Saal flog in die Luft - ohne Hitler. Acht Teilnehmer an der Veranstaltung überlebten nicht.

Ein Schreinergeselle wird zum Attentäter - eine grobe Beschreibung

Johann Georg Elser wird am 4. Januar 1904 in Hermaringen geboren. Als seine Mutter den Vater Georgs, Ludwig Elser, heiratete, zogen beide zu ihm nach Königsbronn. Dort verbrachte er auch seine Jugendjahre. Die Literatur beschreibt Elsers Leben als hart. Der Vater trank, verschuldete sich mit seinem Holzhandel, die Mutter erledigte die Landwirtschaft, bei der Georg Elser oft mithelfen musste. Um die Schule kümmerten sich die Eltern nicht. Aus dieser Zeit und auch aus der kargen Zeit des 1. Weltkrieges heraus, soll Georg Elser seinen starken Gerechtigkeitssinn und seine prinzipielle Kriegsgegnerschaft entwickelt haben. Seine Lehre als Eisendreher brach er ab und lernte später den Beruf des Schreiners. 1925 zog es den ebenso musikalisch begabten jungen Mann in die Fremde. In Konstanz lebte er, folgt man G. Haasis in seinem oben erwähnten Buch, auf. Der Abstand zum zerrütteten Elternhaus ließ ihn weiter selbständig werden. Aus vielen Begegnungen mit Arbeitern entwickelte sich eine bestimmte Nähe zu den Kommunisten. Selbst war er allerdings aller Wahrscheinlichkeit nicht Mitglied der Partei. Lediglich soll er Mitglied des Rot Front Kämpferbundes gewesen sein.

Das Attentat und seine Folgen

Georg Elser hatte sein Attentat seit Monaten vorbereitet. Er experimentierte, entwendete Sprengmittel aus den Firmen, in denen er arbeitete, fertigte Zeichnungen an und baute nach und nach seinen Sprengapparat. Um die Bombe einzubauen, siedelte er nach München. Nachts schlich sich der Attentäter in den Saal des Bürgerbräukellers und bearbeitete jene Säule, vor der später das Rednerpult Hitlers stehen sollte. Anfang November war das Werk vollbracht.
Am Morgen des 8. Novembers  führte ihn der Weg nach Konstanz an die Grenze zur Schweiz. Nicht berechnend, dass diese Grenze seit Kriegsausbruch strenger bewacht war, lief er den Zöllnern direkt in die Arme. Zwar ahnten die Zöllner noch nicht, den Attentäter vor sich zu haben, sie brachten ihn dennoch zur Staatspolizeileitstelle im Wittelsbacher Palais. Nach endlosen Verhören gestand Elser am 14. November die Tat. Den Erinnerungen von Franz Josef Huber, damals Kriminaldirektor, zufolge, gab er als Motiv an: "Ich musste ihn umbringen. Er ist gefährlich. Er bringt uns allen Unglück. Ich habe alle seine Reden gelesen. Ich habe auch 'Mein Kampf' gelesen. Genau studiert sogar. Schon damals stand mein Plan fest." Der Wahrheitsgehalt dieser Erinnerung dürfte allerdings in Zweifel gezogen werden, wird doch dem Schreiner nachgesagt, bei Rundfunkübertragungen der Hitlerreden den Raum verlassen zu haben.
Zwei Tage später wird Georg Elser nach Berlin der Gestapo überstellt. Es folgen vom 19. bis 23. November jeden Tag weitere Verhöre. Auch viele Familienmitglieder werden nach Berlin geschafft. Die Verhörprotokolle wurden erst 1970 veröffentlicht.

Elser "durfte" kein Alleintäter seinDSC_8519

Hitler wollte von Anfang an nicht glauben, dass der schwäbische Schreinergeselle dieses Attentat, dessen Mißlingen der Diktator natürlich als "Vorsehung" propagierte, allein ausgeführt haben soll. Die Verhöre der Gestapo zielten deshalb in der Hauptsache in eine Richtung - die der vermuteten Hintermänner. Hauptfeinde waren für Hitler die Engländer in Verbindung mit Otto Strasser, einem von ihm gehassten Widersacher. Bis zu Elsers Ermordung, 1945, geisterte diese Vorstellung in den Hirnen der Gestapo. Aus den Verhörprotokollen, auch wenn diese mit Vorsicht zu interpretieren sind, da sie schließlich von der Gestapo verfasst wurden, lesen ernsthafte Historiker jedenfalls die alleinige Täterschaft des Königsbronners.
Hitler hatte verfügt, nach dem vermeintlichen Sieg in einem Schauprozess die Gehilfen Elsers zu entlarven. So kam Elser 1941 in das Konzentrationslager Sachsenhausen. Als Sonderhäftling, untergebracht im Zellenbau, bewachten ihn rund um die Uhr SS-Leute. Auf Grund einer vermeintlich bevorzugten Behandlung, machte dass Gerücht, Elser habe das Attentat im Auftrag der Faschisten ausgeführt, die es als Propaganda nutzen wollten, die Runde. Dieses Gerücht hielt sich auch noch nach dem Krieg. Vor allem die Häftlinge aus dem kommunistischen Widerstand misstrauten Elser. Aber auch Pfarrer Niemöller verbreitete noch lange nach dem Krieg diese Legende.
Georg Elser wurde Anfang 1945 nach Dachau verlegt. Am 9. April ermordete Heinrich Bongartz auf Befehl des Chefs der Gestapo, Heinrich Müller, Georg Elser durch Genickschuß.



Quellen:
http://www.georg-elser-arbeitskreis.de/gearchiv.htm

http://www.georg-elser-arbeitskreis.de/texts/venloakte.htm
Gestapoprotokoll: http://www.georg-elser-arbeitskreis.de/geelser.php

www.georg-elser-arbeitskreis.de

Lebenslauf: http://www.georg-elser-arbeitskreis.de/index.php

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